Für die Freiheit

Nur die Kunst kann uns retten. 

Dieses Projekt geht direkt ins Herz derer, die ihre Heimat verloren haben und jener, die in Deutschland nicht relaxen können. Samuel Salzborn, der neue Antisemitismusbeauftragte des Landes Berlin, hat kürzlich mit dem Essay "Kollektive Unschuld" in die vielstimmige postmoderne Debatte hinein gerufen, dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus in vielen deutschen Familien nicht etwa abgeschlossen sei, sondern im Gegenteil noch gar nicht begonnen habe. 

Während wir glauben, dass 1968 mit den "Unter den Talaren" Rufen schon viel aufgewirbelt und abgetragen habe, weist auch die Historikerin Christina von Hodenberg darauf hin, dass 68 ganz anders war, als es uns in den Hochglanzbildern von heroischen Straßenkämpfern vermittelt wird. Öffentlich seien Politiker für ihr tatsächliches oder vermeintliches Nazitum angegriffen worden, in den Familien jedoch sei das Thema bis auf spektakuläre Einzelfälle unangetastet geblieben. 

Die Regisseurin der in diesem Blog erzählten Geschichte ist mit einer doppelten Ost-Heimatverlustfamilie gesegnet und konnte bis heute die Geheimnisse ihrer Familien nicht aufklären, vielleicht, weil sie über den Recherchen verrückt geworden ist, vielleicht, weil die Geheimnisse des Ostens, des Sudetenlandes, Schlesiens und seiner Weber, Böhmens und Sachsens einfach so verrückt sind, dass sie in künstlerischer Form aufgearbeitet werden müssen. 

Ihr Weg führte sie zu Treffen von Nachkriegskindern und -enkeln, zum Histocamp, in das oberschlesische Industriegebiet, auch nach Niederschlesien, allein dreimal nach Auschwitz, in die Verdammnis eines fortwährenden Familienstreits, zur WASt, zur StaSi-Unterlagenbehörde und ins Bundesarchiv. Und natürlich erwanderte sie das wunderbar gestaltete "Haus Schlesien", welches sich im lieblichen Siebengebirge befindet. Im Rahmen der Suche wurde ein riesiges Bücherregal angelegt: mit soziologischen Studien, der Geschichte der Arbeiterbewegung und der Bergarbeiter, religiösen Schriften und allerlei weiterem Material wie unter anderem "Es muss nicht immer Kaviar sein", der "Edda" und "Ein Kampf um Rom".

Möge der Berggeist Rübezahl den weiteren Weg beschützen, der in die deutsche Wirtschaftsgeschichte, in das Reich der Fabeln und Märchen und in die verschlungenen Tiefen der menschlichen Psychologie führen wird. Die Weberin führt die Fäden zusammen, denn sie hat sie in der Hand. Es ist und bleibt kompliziert – doch die Demokratie und die Freiheit sind es allemal wert.


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